Diplomarbeit der Freien Kunstschule Köln

Ich habe am 31.März 2017 die Diplomprüfung in der Fachrichtung Malerei an der Freien Kunstschule Köln erfolgreich abgeschlossen. Im Kolloquium und mit Publikum präsentierte ich meine Arbeiten zum Thema ,,Sagen aus dem bergischen Land''.

 

Als Ausgangspunkt für das Thema meiner Abschlussarbeit wählte ich Märchen. Märchen haben etwas magisches an sich und berühren Menschen jeder Altersklasse. Phantastische Welten, in denen Tiere benutzt werden, um Charaktere darzustellen. Etwas mystisches und zweideutiges. Da mir die allgemein bekannten Märchen (Gebrüder Grimm usw.) zu unpersönlich erschienen, suchte ich in der Familiensammlung nach entsprechenden Erzählungen. Hierbei bin ich auf zwei Sagen gestoßen, die in der Nähe meines Geburtsortes entstanden sind und durch Familiennetzwerke weitergegeben wurden. Diese Geschichten üben eine Faszination auf mich aus, da sie neben Tierwesen auch eine moralische Botschaft haben. Entsprechende Sagen sind der breiten Masse eher nicht bekannt und geraten immer mehr in Vergessenheit. Bei den Sagen handelt es sich inhaltlich um Verwandlungsgeschichten von Mensch und Tier.

 

Die Hintergrundfarbe auf allen drei Bildern bildet ein Maigrüngoldton (irisierend), der einem Altgoldton ähnlich ist. Sie steht hier als Symbolfarbe einerseits für das Märchenhafte (Giftgrün) gleichzeitig strahlt ein Goldton eine Transzendenz aus (Kunsthistorisch Byzantine/Zeichen für göttliche Sphäre) und somit etwas nicht Greifbaren. (Auch im Jugendstil wurde Gold oft eingesetzt/Klimt) Durch den hellen und pastelligen Ton wirkt der Hintergrund ferner und körperlos. Die zweite Schicht aller Bilder bildet ein scheinbar zufällig verlaufenes Netz aus schwarzen Fäden, dass aber in allen Bildern bewusst angelegt und geplant wurde. Als Akzent und im Kontrast zum Grün habe ich einen Bronzeton verwendet, der Teile des Netzes ausfüllt und optisch das Bild auflockert. Zum Teil befinden sich die Figuren hinter, in oder vor dem Netz. Ich möchte damit einen Hinweis auf Familiennetzwerke geben, durch die solche Sagen lebendig bleiben. Für die Farbigkeit der Figuren habe ich Farbtabellen mit Farbmischungen angelegt und diese in Arbeitsproben analysiert. Mein Wahl fiel intuitiv auf einen in der Natur zu findenden Farbklang (Pfauenauge).

 

 

Hasenhexe

Öl auf Akrylgrund

90x60 cm

 

Bei diesem Bild wählte ich ein Selbstbildnis, weniger wegen einer Identifikation mit der Figur, vielmehr um mich selber zu Positionieren. Das Netzwerk aus der eigenen Hand, in dem der Hase als Sinnbild für den Akt des nicht vergessen Werdens steht, versteckt im ,,Stoff'' der die Geschichten macht. Ich belebe mit meiner Arbeit diese alten Sagen wieder aufs Neue.

 

Das Bild als solches ist in zwei abfallenden Linien aufgeteilt die zusammen mit dem linken Arm der Hauptfigur ein Dreieck mit der Spitze nach unten bilden. Am rechten Bildrand entsteht ein heller und leerer Bildraum, der im Kontrast zur anderen Bildhälfte steht. Die Farben sind heller und somit freundlicher gehalten. Dies bildet einen Kontrast zu den abfallenden Linien des Dreiecks. Der Blick wird auf das Gesicht am oberen linken Bildteil geführt (ungefähre goldener Schnittpunkt) und führt dann entweder über den Arm und das Netz oder direkt nach Unten. Der Blick bleibt in Bewegung.

 

 

 

Fuchs und Hase

Öl auf Akrylgrund 120x90cm

 

Bei diesem Bild kam es mir auf die Dynamik an, die eine Geschichte in uns auslöst. Unaufhörlich schießen Bilder durch den Kopf und werden lebendig. Deshalb setzte ich bewusst die goldene Spirale ein, um die Figuren anzuordnen. Sie richtet sich nicht an den Seiten des Bildes aus, sondern ist vielmehr für die Anordnung und Größenverhältnisse der Figuren gedacht. Der Blick des Betrachters wird in Kombination mit diesen Kraftlinien und Proportion in Bewegung gehalten. Dies wirkt sich dynamisch auf den Blick des Betrachters aus und der Blick bleibt in Bewegung. Die Horizontlinie ist nicht wichtig, es soll wenig greifbar sein wo der Betrachter steht.

 

Fuchsmann

Öl auf Akrylgrund

90x60 cm

 

In diesem Bild war mir wichtig das Unbehagen und die Faszination zu transportieren, die ausgelöst werden, wenn Erzählungen einen fesseln. Die Figur im Bild ist zwei Mal dargestellt, und wird von der Kleidung getragen. Auch hier kommt das Netz zum Einsatz. Das verhüllte Gesicht und der Mann von Hinten sind keine zu identifizierende Personen.

 

Dieses Bild bewegt sich wie die anderen Bilder ebenfalls in Kraftlinien, durch die der Blick geleitet wird. Von links nach rechts bewegt sich die Linie erst abwärts und dann wieder aufwärts.

 


Laudatio

 

 

 

Ellen Zang

 

 

 

 

 

 

 

Marion Beier (Dozentin Freie Kunstschule Köln)

 

Zu den Arbeiten von Ellen Zang:

 

 

 

Ellen Zangs Kunstschaffen ist von einem deutlichen Schwerpunkt auf bizarre Welten geprägt. Dabei werden Mensch und Tier in der Natur verortet. Beiden, sowohl dem Menschen als auch den Tieren, gilt die Natur gleichermaßen als Heimat und Nährboden in einer angenommenen mythisch-magischen Verwobenheit. In ihren Bildern verbinden sich Fabel- und Märchenwelten aus ihrer Heimat um Kürten mit persönlich-lebensgeschichtlichen Inhalten zu einer irrisierenden, facettenreichen Bildwelt.

 

Den jeweiligen Bildern gehen umfangreiche Recherchen, Farb- und Formanalysen voraus, aus denen Vorstudien und Entwürfe entwickelt werden. Um ihr künstlerisches Wollen einzukreisen werden teils ihrer Vorstellungswelt entsprungene, teils literarisch inspirierte Zeichen- und Fotoserien angefertigt, die einen hohen Reiz und künstlerischen Eigenwert besitzen. Bereits hier findet Ellen Zangs wohlverstandenes Kompositionsgefühl und eigenwilliges Farbempfinden einen ersten überzeugenden Ausdruck, bevor die eigentlichen Öl- und Acrylbilder entstehen.

 

Auf der inhaltlichen Ebene lassen sich Bezüge zu einer romantischen Naturverbundenheit sowie sehnsuchtsvollen Wunsch nach alternativen Lebensweisen aufweisen, die in ihrer Gestimmtheit und Anderweltlichkeit der mythisch-magischen inspirerten Themen wiederum deutlich symbolistischen Anklang haben.

 

Über den vorangestellten Auseinandersetzungsprozess mit ihrer Vorstellungswelt gelingt der Künstlerin ihre Bildfindungen in eigenständige Malerei zu überführen, die über die reine Bebilderung der verwendeten literarischen Inspirationsquellen hinausweist; ein Merkmal, dass sie mit der Bildwelt des Jugenstil gemein hat. Gerieten dort Plakatkunst und Illustration zu eigenständigen Werken, die ihre Funktionsgebundenheit hinter sich ließen, sind es bei Ellen Zang persönlich geprägte Bebilderungen von Mythen aus dem Bergischen Land, die im gültigen Malergebnis ihren narrativ-illustrativen Ursprung vergessen machen.

 

Aber auch dort, wo die malerische Umsetzung einer realistisch gegenständlichen Darstellung verpflichtet bleibt, weist die Dingwelt in Ellen Zangs Bildern immer auf das Vorhandensein einer Welt hinter der eigentlichen, deren Wirkmächtigkeit in den vielschichtigen Bildfindungen erahnbar ist. Unterstützend wirkt dabei der Einsatz von bildnerischen Mitteln, die sich auf unterschiedlichen Abstraktionsebenen bewegen. Es entsteht eine komplexe Bildsprache, mithilfe derer der Bildraum zu einer rätselhaften Zwischenwelt gerät.

 

Denn mitunter verselbsständigen sich Linie, Fläche und Raum. Abstrakter Farbraum tritt dabei flächig zurück, während lineare Musterungen den Bildraum rhythmisieren und in den Vordergrund treten. Die ungegenständliche Farbe des Hintergrundes erzeugt eine räumliche Uneigentlichkeit, die sich als Schwebezustand näherer Bestimmung entzieht; wiederum ein Merkmal, dass die Arbeiten Ellen Zangs mit dem Jugenstil gemeinsam haben, wenngleich die Behandlung der Linie bei Ellen Zang deutlich gestisch abstrakter und weniger dekorativ ornamental als im Jugendstil ausfällt. In Anlehnung an die Behandlung der Linie im Jugenstil determinieren Linien jedoch nicht nur abstrakt die Komposition, sondern stehen als solche auch für eine zeichenhaft angelegte Gegenständlichkeit. Schließlich verweisen flächig angelegten Metallfarben auf die Goldgründe mittelalterlich sakraler Darstellungen oder byzantinische Ikonen. Die Einbettung solcher metallischen Gründe und Farbflächen in einschließende Linien verbindet die Bildfindung wieder mit der Ästhetik des Jugendstils, der dieses Stilelement auch einsetzte, um auf ein jenseitiges Einwirken zu hinzudeuten. Im Werk der Künstlerin wirken diese wie ein Fenster zu einer anderen Welt.

 

Raum entsteht in einigen Bildern allerdings auch durch einen pastosen Farbauftag, dessen Duktus den Raum im Bild und den Bildraum als solchen moduliert, der in surreal verfremdeter Farbigkeit erscheint, die bewusst poppig wirkt.

 

Werden die bildnerischen Mittel von Linie, Form und Farbe solchermaßen verfremdet eröffnet sich eine symbolische Dimension, die inhaltlich wiederum mit dem Bildgegenstand in Beziehung steht, die auf einen gemeinsamen Bedeutungshorizont zu verweisen scheint, der ein Geheimnis birgt, das es zu enträtseln gilt.

 

Bewirken die naturalistisch ausgeführten surrealen Bildelemente oder kubistische vereinfachte realisische Formfindungen ein geschlosseneres Kompositionsgefüge, entfalten expressive Elemente in Linienführung, Farbgebung und Duktus eine dynamisierende und expandierende Wirkung.

 

So sind in den Einzelwerken verschiedene stilistischen Anleihen nachvollziehbar. Die Verwandschaften mit vorhandenen Stilen sind nie als direktes Zitat erkennbar, sondern dienen einem ureignenen künstlerischen Ausdruck, der versteht sich von Traditionen beflügeln zu lassen, um völlige Neuauszulegungen zu entwickeln. So ist die unorthodoxe Behandlung der eingesetzten Mittel oft kühn, zeugt aber von Souveränität in der Beherrschung des Handwerks. Die eigenwillige, jedoch immer höchst folgerichtige Zusammensetzzung unterschiedlichster stilistischer Elemente begründet das eigentlich Zeitgenössische in Ellen Zangs Werk.